Anwaltsrecht LMU
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Institut für Anwaltsrecht an der 

Ludwig-Maximilians-Universität München

 

 

 

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Nachruf auf Hartmut Wächtler

Am 23.12.2025 ist Hartmut Wächtler, hochgeschätzter Kollege und Freund und langjähriger 1. Vorsitzender des Vereins zur Förderung eines Instituts für Anwalts-recht an der LMU München, verstorben. Sein Tod erfüllt uns mit großer Trauer und Bestürzung. Hartmut Wächtler war nicht nur einer der profiliertesten, streitbarsten und engagiertesten Strafverteidiger in Bayern und weit darüber hinaus, sondern auch Überlebenshelfer und tragende Säule des Instituts für Anwaltsrecht an der LMU München. Nachdem sich die ursprünglich tragende zivilrechtliche Säule und auch die Rechtsanwaltskammer München aus dem Institut/Förderverein unter teilweise unschönen Umständen zurückgezogen hatten, hätte die verbliebene strafrechtliche Säule ohne die Unterstützung und den Zuspruch von Hartmut Wächtler wohl resigniert. Nicht zuletzt dank seiner vielfältigen Kontakte nicht nur in der Strafverteidigerszene, sondern auch zu Justiz und Strafverfolgungsbehörden gelang es von Semester zu Semester immer wieder, fachlich hochspezialisierte Referentinnen und Referenten zu praktischen und rechtspolitischen Themen der Strafverteidigung zu gewinnen. Darüber hinaus trat Hartmut Wächtler auch selbst regelmäßig als Referent auf und begründete mit Leidenschaft und großer Expertise die Vortragsreihe "Neues aus Europa", die mit ihrem Blick über den nationalen Tellerrand hinaus vielen Kolleginnen und Kollegen oftmals zum ersten Male die europäischen Dimensionen des Straf- und Strafprozessrechts und die mit einer Harmonisierung verbundene Gefahr einer Reduzierung rechtsstaatlicher Standards auf den kleinsten gemeinsamen Nenner nahegebracht hat. Höhepunkte wie die Vortragsreihe „Politische Strafprozesse der Bundesrepublik“ oder die durch die Verbindung von Recht, Theater/Kabarett, Biographie renommierter Strafrechtler und Geselligkeit als Gesamtkunstwerke konzipierten „Langen Nächte des Strafrechts“ in den Räumen der Sozietät Homuth/Jung (mit Claus Roxins Lebensrückblick und Gogols „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ von Dieter Kettenbach 2016 als Krönung) sind schon heute legendär, Hartmut Wächtlers Interpretation der Rolle des Justizwachtmeisters in der tragischen Posse „Der Herbst des Starverteidigers und die Herbstmeisterschaft des Landgerichts“ von Ilse und Bernd Schünemann 2018 unvergessen. Selbst geprägt durch die Revolte von 1968, stellte Hartmut Wächtler sich Zeit seines Lebens politischen Angriffen auf den Rechtsstaat entgegen, sei es bei Verschärfungen des Versammlungsrechts, dem Großen Lauschangriff, dem Deal im Strafverfahren oder dem neuen bayerischen Polizeiaufgabengesetz. Über die Veranstaltungen des Instituts gelang es ihm, auch bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die seine Erfahrungen nicht teilten, eine kritische Sicht zu wecken und sie anzuregen, Strafverteidigung über die alltägliche praktische Arbeit hinaus zu denken. Dabei hat er immer wieder gezeigt, dass man auch schärfste Auseinandersetzungen führen kann, ohne dem anderen gegenüber respektlos zu werden. Abgesehen davon war er, bei aller Ernsthaftigkeit, Kritik und Bedeutung seiner Beiträge, ein sehr unterhaltsamer und humorvoller Referent, der sich nicht scheute, auch einmal eine Veranstaltung wegen eines am selben Abend stattfindenden Spiels der Champions League „beschleunigt“ zu Ende zu bringen. Wenn der Institutsdirektor der wissenschaftliche Dirigent des Instituts war und ist, war Hartmut Wächtler gleichsam der Verbindungs- und Kontaktoffizier in die Praxis. Auch als 1. Vorsitzender des Vereins zur Förderung eines Instituts für Anwaltsrecht an der LMU München brachte er sich ein und übernahm jahrelang Verantwortung für die finanziellen Mittel, die den Betrieb des Instituts in weiten Teilen überhaupt erst möglich machten. Hartmut Wächtler war ein großes Vorbild, als Mensch, als Anwalt und als Strafverteidiger, und wir sind dankbar, dass wir einen Teil des Weges mit ihm gehen durften. Die Lücke, die er hinterlässt, ist immens.

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Schünemann Direktor des Instituts für Anwaltsrecht an der LMU München Rechtsanwältin Barbara Kaniuka, 1. Vorsitzende des Vereins zur Förderung eines Instituts für Anwaltsrecht an der LMU München